Mittwoch, 14. Februar 2018

Muskelaufbau mit dem Gymnastikball

Nicht selten kommt es vor, dass insbesondere Stadthunde oft unter Bewegungsmangel und Übergewicht leiden. Eine nicht gut ausgebildete Muskulatur begünstigt falsche Bewegungsmuster und später u.a. Arthrosen und Wirbelsäulenveränderungen.

Auch nach einer Operation (z.B. Kreuzbandriss, Patellaluxation, Hüftgelenksdysplasie) muss die Muskulatur des Hundes erst einmal schonend wieder aufgebaut werden.

Vor ungefähr zwei Jahren musste Joker noch regelmäßig zur Physiotherapie. Aufgrund seiner schwachen Bemuskelung war das Risiko einen Bandscheibenvorfall zu erleiden erhöht und das wollten wir unbedingt ändern.


Neben einer Lasertherapie (mithilfe niederenergetischen Lichtimpulsen im infraroten Lichtspektrum) musste Joker dort dreimal wöchentlich am Unterwasserlaufband trainieren. Durch den Auftrieb (bis zu über 60% des eigenen Körpergewichts werden bei entsprechender Höhe vom Wasser getragen) werden vorgeschädigte oder rekonvaleszente Gelenke nicht überfordert, dennoch wird durch den Wasserwiderstand die Muskulatur schonend beansprucht.
Als Hausaufgabe bekamen wir den Auftrag, täglich am Gymnastikball zu trainieren, wovon ich euch nun genauer erzählen möchte.


Welcher Ball ist für die Übungen geeignet?


Wir haben uns für einen sogenannten Peanut- oder auch Erdnussball (bestellt bei Amazon) entschieden. Sein Name verrät bereits die etwas sonderbare Form, die ihn von gewöhnlichen Gymnastikbällen unterscheidet. Welchen Ball man schlussendlich auswählt, bleibt aber jedem selbst überlassen. Für den Trainingseinstieg hat sich bei uns aber der Peanutball bewährt- auf ihm fällt es dem Hund zu Beginn etwas leichter, sich auszubalancieren.

Es gibt auch Gymnastikbälle, die eigens für die Physiotherapie von Hunden verkauft werden- bis auf den wesentlich höheren Preis erschliesst sich mir dabei aber kein Unterschied zu den gewöhnlichen Gymnastikbällen für uns Menschen.
Sowohl den Peanutball, also auch den gewöhnlichen Gymnastikball gibt es in unterschiedlichen Größen.


Das Balance- Sitzkissen als Alternative


Die Kokoni-Hündin Ruby auf
einem Balance- Sitzkissen mit
50cm Durchmesser, 

© by Daniela Haase

Für Hunde, die nicht selbstständig auf einen Gymnastikball hochspringen oder aus verschiedenen Gründen nicht hochgehoben werden können, eignet sich bedingt auch ein einfaches Balance- Sitzkissen als Alternative (auch dieses ist in unterschiedlichen Größen erhältlich).

© by Rocky the
Rocket
Die Kokonis von
Nadine Brandt,
© Hundsgemeine Literatur


Übungen mit dem Gymnastikball


Bevor es losgeht, sollte je nach Schwierigkeit der nachfolgenden Übungen eine kurze Aufwärmphase am Boden das Training einleiten.

Folgende Übung, die ein hohes Maß an Körperspannung erfordert und so ziemlich alle Muskelgruppen im Bewegungsapparat beansprucht, hat uns damals geholfen:
  • Joker wurde auf den Ball gehoben (er kannte das Prozedere bereits- bei Hunden, denen der Ball noch nicht geheuer ist, empfiehlt es sich, diesen langsam positiv zu konditionieren bzw. größeren Hunden zu lernen, selbstständig auf den Ball zu springen währenddessen man diesen stützt).
  • Auf einem Stuhl sass ich ihm direkt gegenüber und konnte so mit meinen Beinen den Ball etwas stützen und am zur Seite rollen hindern. 
  • Mit meinen Händen konnte ich Joki zu Beginn zusätzlichen Halt geben.
  • Mit der Zeit stützte ich Joker immer weniger und griff nur noch ein, wenn er bspw. aus Übermüdung zu zittern begann oder das Gleichgewicht kurzzeitig verloren hatte.

© by Brigitte Jost, https://www.tierphysio-jost.ch

Dieses Training hatte ich anfangs ca. 2x täglich für nur maximal 2-3 Minuten wiederholt. Denn auch wenn es einfach klingt- dieses Ausbalancieren fällt dem Hund insbesondere zu Beginn des Trainings wahnsinnig schwer und es beansprucht die Muskeln in hohem Maße.
Nach einigen Tagen konnte ich die Anzahl unserer Trainingseinheiten pro Tag bzw. die Trainingsdauer etwas erhöhen.
Insgesamt sollte das Training aber eine Zeitspanne von 10 Minuten täglich nie überschreiten- schnell fühlt sich der Hund überfordert oder die Muskulatur wird überbeansprucht.

Mit bestimmten Übungen lassen sich auch einzelne Muskelgruppen gezielt trainieren. Beispielsweise trainiert der Hund mithilfe von Sitzen auf dem Ball und Pfötchen geben vermehrt die Bein- und Schultermuskulatur.

© by Brigitte Jost, https://www.tierphysio-jost.ch

Genauso verhält es sich mit einer Übung, bei der sich nur die Vorder- oder Hinterbeine des Hundes auf dem Gymnastikball stützen sollen. Die Bauch- und Rückenmuskulatur wird gedehnt und gestärkt, während gleichzeitig die Muskulatur der Vorder- oder Hinterhand beansprucht wird.

Zudem stärkt das Training am Gymnastikball das Körpergefühl des Hundes und stärkt sein Selbstbewusstsein.
Ihr seht also- derartige Übungen eignen sich nicht nur für die Rekonvaleszenzphase nach einer Operation, sondern sind durchaus auch für gesunde Hunde alltaugstauglich und bringen viele Vorteile mit sich.

Wir wünschen euch ganz viel Spaß beim Trainieren :-)


An dieser Stelle möchte ich mich nochmal ganz herzlich für die tollen Fotos bedanken bei:

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