Sonntag, 3. September 2017

Spieglein, Spieglein an der Wand- sind wir die perfekten Hundehalter?

Als vor einiger Zeit jeden Samstag auf VOX die Serie "Mein Hund, dein Hund" ausgestrahlt wurde, war ich neugierig darauf, wie unterschiedlich sich manche Hundehalter sein können- und der Kontrast war oft groß.
Es wurde einander kritisiert und Verbesserungsvorschläge aufgezeigt- die leider nicht immer angenommen wurden.

Doch wie ist das überhaupt? Gibt es den perfekten Hundehalter? Was macht die Perfektion aus? Inwieweit sind Fehler in der Hundehaltung akzeptabel, ab wann wird es tierschutzrelevant?




 Eine Folge dieser Serie ist mir besonders im Gedächtnis geblieben- in der Vorschau wurde eine junge Hundehalterin mit ihrer Pudel-Dame "Daphne" gezeigt, die auf Shows vorgestellt wurde und regelmäßig hübsche Frisuren verpasst bekam. Mein (Vor-)Urteil stand fest.
Im Vergleich dazu kam ein Herr, der sich stark gegen die Vermenschlichung des Hundes aussprach und bereits im Vorfeld stolz davon erzählte, wie gut sein Labradoodle-Rüde doch erzogen sei. 
Wer die Serie kennt, weiß, dass zwischen den Handlungssequenzen andere Hundehalter eingeblendet werden, die zuhause vom Sofa aus versuchen, die zwei unterschiedlichen Hundehalter und deren Ansichten zu beurteilen. 
Eine große Mehrheit dieser "Kommentatoren" schlug sich ebenfalls sofort auf die Seite des männlichen Hundehalters- machte dieser doch den Eindruck, seinen Hund sehr artgerecht zu halten und in seinem Umgang auch liebevoll und konsequent zu sein. 

Im weiteren Verlauf der Folge änderte sich dieses (Vor-)Urteil aber relativ schnell. Die junge Hundehalterin behandelte ihren Hund nicht nur, wie von den Zuschauern erwartet, wie ein Püppchen. Zwar legte sie außergewöhnlich viel Wert auf die Körperpflege ihres Hundes (die regelmäßige Zahnreinigung wurde von ihrem Kontrahenten aufs schärfste verurteilt- obwohl Tierärzte diese doch sogar empfehlen und Zahnstein bei Hunden ein ernstzunehmendes Problem ist), besuchte mit ihrem Hund aber regelmäßig einen Agility-Parcours und pflegte einen liebevollen Umgang (soweit man das vom Fernseher aus beurteilen konnte). 

Anders der zuvor noch so beliebte Hundehalter mit seinem Labradoodle. Hatte er zu Beginn der Ausstrahlung noch erläutert, was ihm bei der Eriehung von Hunden wichtig sei, so wurde seine große Klappe gegen Ende hin immer kleiner.
Als sich sein Hund beim Freilauf selbstständig machte und für den Hundehalter und dessen Frau eine wilde Hetzjagd begann, war die Halterin des Pudels sprachlos. Das dürfte einem mit einem freilaufenden Hund eigentlich nicht passieren- vor allem nicht, wenn man davor noch groß rumtönte, wie folgsam der eigene Hund doch in jeder Situation sei.
Auch der restliche Spaziergang (bei dem der Labradoodle allerdings angeleint war), machte den Hundehalter nicht wirklich sympathischer. Kürzer hätte er die Leine nicht halten können, sein Hund durfte ausschließlich "bei Fuß" gehen, Pinkel- oder Schnupperpausen gab es vorerst nicht. Das war kein Training, sondern der alltägliche Spaziergang, der den Hund eigentlich auslasten und ihm Spaß bereiten sollte.
Ich bin mir darüber im Klaren, dass es sich um geschnittenes Sendematerial handelte und dieses natürlich möglichst polarisieren sollte, um hohe Quoten zu erreichen- und an sich gibt es nichts Schlechtes daran, seinen Hund nicht pausenlos überall dranpinkeln und auch mal ordentlich "Fuß"-Gehen zu lassen.
Aber man bekam einen bitteren Beigeschmack und hatte irgendwie den Gesamteindruck (der gerade im Fernsehen natürlich auch täuschen kann!), dass es sich hierbei um einen weniger fairen Umgang als bei der Hundehalterin mit ihrem Pudel handelte- auch wenn es zuvor danach aussah, als hätte diese ihren Hund zum Ausstellungsobjekt degradiert. Eine etwas weniger große Klappe und dafür mehr Zugeständnisse hätten den Halter des Labradoodle wahrscheinlich in einem besseren Licht erscheinen lassen...
Nach einem klärenden Gespräch war dieser Meinungsaustausch beendet.

Doch diese Folge war, gemessen an den zwei verschiedenen Denkweisen, noch relativ in Ordnung und man hatte nur in wenigen Situationen das Gefühl, dass die Hundehalter große Fehler im Umgang mit ihren Hunden machten. Verbesserungspotenzial gibt es immerhin bei jedem von uns!

Gerade bei dieser Serie gab es da schon deutlich schlimmere Beispiele- ein Hund, der keinen Futternapf besaß und ausschließlich vom Boden zu fressen bekam, war da noch das "kleinste" Übel.

In einer Folge lernten sich die Halterin eines Hovawart und ein angeblicher Hundetrainer und Halter eines Mini-Bullterriers kennen.
Der Hundehalter nervte seine Kontrahentin ständig mit besserwisserischen Anweisungen- u.a. war er nicht davon begeistert, dass die Frau ihren Hund barfte und empfahl ihr Trockenfutter.
Als er dann auf einem Hundeplatz mit seinem Mini-Bullterrier spielen wollte, konnte man fast nicht mehr dran glauben, dass es sich hierbei wirklich um einen Hundetrainer handeln sollte. Natürlich dürfen auch Hundetrainer Fehler machen- welcher Mensch macht das nicht?
Aber mit so einer Situation hatte ich dann doch nicht gerechnet. Als der Trainer das Spielzeug seines Hundes nehmen wollte, um es wieder zu werfen, fand dessen Hund das weniger toll und knurrte ihn an. Nur mithife von Ablenkung konnte sich der Hundehalter blitzschnell das Spielzeug greifen, bevor dessen Mini-Bullterrier das mitbekam und wieder mit Gegenwehr reagieren konnte.
Da konnte sich seine Kontrahentin ein wenig Kritik natürlich nicht verkneifen. Ob er sich denn nun nicht mehr traue, seinem Hund das Spielzeug zu nehmen, fragte sie ihn noch.
Doch die große Überraschung kam, als die Halterin des Hovawarts das selbe Problem bei ihrem Hund hatte- auch dieser ließ sich das Spielzeug von keinem mehr nehmen.
So traurig diese Situation eigentlich auch war- ab diesem Zeitpunkt fand ich das ganze etwas lachhaft und konnte keinen der beiden Hundehalter mehr richtig ernstnehmen.
Es konnte doch nicht ernsthaft sein, dass zu Beginn der Folge beide noch groß rumposaunten, welch tolle Hundehalter sie wären- und dann konnte keiner von ihnen auch nur richtig mit dem Hund spielen?!




Nun begann ich mir meine Gedanken zu machen. Was würde man sich wohl über uns denken, würden wir bei einem solchen Format mitmachen?
Zugegeben -auch bei mir meldete sich dann erst mal die Großkotzigkeit. Natürlich würde die Mehrheit der Zuschauer uns Recht geben und unsere Ansichten zum Thema Hundehaltung und -erziehung teilen. Aber ist das überhaupt so?
Gerade in letzter Zeit wurde uns von Außenstehenden oft gesagt, dass man sofort erkennen könne, wieviel uns an Joker liegt und dass er ganz offensichtlich ein Familienmitglied mit für uns hohem Stellenwert ist. Doch das ist leider nicht alles. Denn auch wir machen Fehler, die teilweise nicht weniger schlimm sind als die der Teilnehmer bei "Mein Hund, dein Hund"- und gerade an der Umsetzung der Theorie scheitert es bei uns oft...

Allgemein kann man wohl sagen, dass die Kriterien, die den perfekten Hundehalter ausmachen, wohl sehr subjektiv ausfallen werden. Jeder legt Wert auf andere Dinge- für uns z.B. steht die Beziehung und der gemeinsame Spaß im Vordergrund. Dass dazu auch Erziehung gehört, ist uns klar- trotzdem sind wir zugebenermaßen oft inkonsequent und wir haben vor allem in der Anfangszeit körpersprachlich einiges falsch gemacht.
Uns ist es wichtig, dass Joker möglicherweise lebensrettende Kommandos wie "Aus" einwandfrei befolgt- am Rest können wir immer noch arbeiten. Das heißt, Hundehalter, die viel Wert auf einen top erzogenen Hund legen, würden bei unserem Anblick wohl einen Herzinfarkt bekommen.

Für höchst fahrlässig und alles andere als perfekt halte ich aber Hundehalter, die völlig unüberlegt regelmäßig Risiken eingehen. Viele Hunde hier in der Gegend sind nicht abrufbar, dazu kommt dass es hier mehrere Freigänger-Katzen gibt. Das Risiko, dass unser Hund auf Katzenjagd geht und in der Stadt vor ein Auto läuft, würden wir niemals eingehen und ich kann derartiges Verhalten absolut nicht nachvollziehen. Möchte ich meinen Hund unbedingt im Stadtgebiet freilaufen lassen, trainiere ich ihn im Hinblick auf die Gefahren und versuche, eine möglichst gute Abrufbarkeit zu erzielen, um das Risiko für den Hund zu minimieren- und nicht einfach zu billigen.

So individuell die Vorstellung vom perfekten Hundehalter auch ist- einige Grundkriterien erwartet sich wohl jeder von einem solchen. Ein fairer und artgerechter Umgang mit seinem Hund sowieso eine regelmäßige tierärztliche Betreuung, insbesondere bei Krankheiten, sollte für jeden (auch weniger perfekten Hundehalter) selbstverständlich sein. 

Doch in allen weiteren Punkten sind die Ansichten schon sehr geteilt.
Joker schläft, solange es nachts keine Tropenhitze hat, durchgehend bei uns im Bett- dafür überziehe ich dieses gerne auch öfter. Aber das Aneinanderkuscheln, Rücken an Rücken-Schlafen und sein tiefes Seufzen kurz vorm Einschlafen ist für mich unbezahlbar- und es gäbe kein Argument für mich, das mich darauf verzichten lassen würde.
Wahrscheinlich müssten wir schon allein aufgrund dieser Tatsache ordentlich Kritik einstecken, würden wir uns und unsere Ansichten bei "Mein Hund, dein Hund"vorstellen. Für uns aber macht das eine perfekte Hundehaltung aus- das heißt jedoch nicht, dass andere Hundehalter, die ihrem Hund das Schlafen im Bett nicht erlauben, diesen weniger lieben oder deshalb einen "schlechteren" Umgang haben.

Vielen Hundehaltern ist es u.a. auch wichtig, der Rudelführer zu sein. Auch wenn mehrere Studien diese Rudelführer- Theorie zwischen Hundehaltern und Haushunden für nichtig erklärt haben, bestehen nicht wenige Hundehalter darauf, dass sich ihr Hund ihnen "unterwirft".
Das käme uns nie in den Sinn, macht für andere aber einen fairen Umgang mit dem Hund aus. 
Dann gibt es widerum einen Teil der Hundehalter, die genau das Gegenteil praktizieren und es für artgerechter halten, ihrem Hund gar keine Regeln zu setzen. Das kann gut gemeint sein- geht aber spätestens dann in die Hose, wenn es mit dem Hund zu Problemen im Alltag kommt. Nicht jeder möchte in dieser Situation auch noch Geld für gutes Hundetraining investieren, um die gemachten Fehler zu korrigieren- da ist es für viele einfacher, den "vermurksten" Hund abzugeben, um sich kurz darauf einen Neuen zu holen.
Das klingt schockierend, aber so denken leider genug Menschen.



Fazit

Als Hundehalter wird man es wohl nie allen recht machen können und die Perfektion schlechthin gibt es nicht. Was der eine Hund täglich in Anspruch stellt (z.B. mehrere Stunden körperliche Auslastung, ausgiebige Kuscheleinheiten,...), kann für den anderen schon wieder deutlich weniger von Bedeutung sein.
Der "perfekte" Halter eines z.B. 14-jährigen Rauhaardackels würde seinen Alltag erst mal ordentlich umkrempeln müssen, um auch einem 3-jährigen sibirischen Husky ein guter Halter sein zu können. Die Ansprüche an den Hundehalter sind von Hund zu Hund unterschiedlich und können sich oft schon von grundauf unterscheiden.

Man sollte immerzu bemüht sein, dem Hund den Umgang, die Haltung und die medizinische Behandlung gewährleisten zu können, die u.a. seinem Alter und seinen rassespezifischen Eigenschaften entspricht.
Sollte dies z.B. aus finanzieller Sicht nicht immer möglich sein, sollte man sich am besten noch vor der Anschaffung eines Hundes eine gute Lösung (sowohl für Hund + Halter) überlegen.

Allgemein bin ich aber der Meinung, dass man als Hundehalter nur dann auf dem richtigen Weg ist, wenn man nicht stur auf seinen Standpunkt beharrt.

  • Sein Handeln und Denken stets zu hinterfragen,
  • Kritik anzunehmen und ehrlich darüber nachzudenken und 
  • sich weiteres Wissen zum Thema Hund anzueignen (man lernt nie aus!) und dieses auch umzusetzen
      - das macht für mich die perfekte Hundehaltung aus!

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