Montag, 14. August 2017

Wie wird man seinen Hund los? - Aussetzen? NEIN!

Wir sind gerade zutiefst schockiert.

Am 10. Juli war uns bei einem Spaziergang ein Hund angeboten worden. Ein wirklich freundlicher, kleiner Chihuahua-Mix, der sich mit Joker auch noch gut verstanden hatte. Hellhörig wurden wir allerdings, als uns die Besitzerin erzählte, dass sie ihn ohne Impfpass für € 200 gekauft hätte. Seitdem war der Hund noch nie beim Tierarzt vorgestellt worden und war demnach weder gechipt, noch geimpft oder entwurmt. Trotzdem wollte sie ihn uns nun für € 100 verkaufen ("fast geschenkt").

Joker mit dem Chihuahua-Mix



Der Rüde war mittlerweile 9 Monate alt- in einem Alter von einem halben Jahr hatte sie ihn für ihre Enkel zum Spielen gekauft- diese waren aber, genauso wie der Hund, eher weniger voneinander begeistert. So musste nun sie sich mit dem Hund rumschlagen- und der war ihr mit seinem jungen Alter viel zu anstrengend. Noch dazu bemängelte sie, dass der Hund noch so unerzogen und ungestüm sei, dass sie bei einem Spaziergang gestürzt sei und sich dabei den Arm gebrochen hätte.

Wir verabschiedeten uns von ihr mit dem Versprechen, uns nach einer Pflegestelle für den Kleinen umzuhören und zu überlegen, ob wir ihn möglicherweise nicht sogar selbst nehmen könnten.
Ca. zwei Wochen später traf ich wieder auf besagte Dame und wieder fragte sie hoffnungsvoll, ob wir denn schon eine Lösung für sie gefunden hätten. Es wäre zwar noch jemand an dem Hund interessiert gewesen, jedoch lebte in dessen Haushalt bereits ein Hund und die beiden hätten sich nicht verstanden.
Ich versprach ihr, mich weiter umzuhören und sprach u.a. mit einer Bekannten, die für einen örtlichen Tierschutzverein arbeitet. Wir hatten beide die Befürchtung, dass die Dame so noch irgendwie versuchte, Geld rauszuschlagen, aber im Falle, dass sich kein neuer Platz für ihren Hund finden ließe, sicherlich nicht dazu bereit wäre, bei einem Tierheim auch noch eine Abgabegebühr zu zahlen.

Der Aushang, den uns die Dame noch mitgab (Tel-Nr wurde von mir entfernt)

Natürlich zerbrachen wir uns den Kopf darüber, ob wir uns den Wunsch nach einem Zweithund nun endlich erfüllen sollten. Jedoch sprach dagegen, dass bereits Joker aus einer unseriösen Zucht zu uns gekommen war. Sollten wir nun wirklich auch einen Zweithund aus derartiger Haltung holen? Noch dazu, wenn dieser noch nie in seinem Leben eine Tierarztpraxis von innen gesehen hatte?
Dazu kommt, dass Joker ein sehr sensibler und (aufgrund seiner Herkunft) sehr krankheitsanfälliger Hund ist. Wir geben uns die größte Mühe, dass er bei Bedarf die bestmögliche (und oft auch teuerste) Behandlung bei Tierärzten erfährt- hauptsache es geht ihm gut. Nur bei zwei möglicherweise krankheitsanfälligen Hunden würde uns das finanziell schon sehr dahinraffen...
Und wer hätte uns versichern können, dass unser Sensibelchen Joker damit umzugehen lernt, sein liebstes Spielzeug, seinen kuscheligen Platz bei uns im Bett und - last but not least- auch uns mit seinem neuen "Bruder" zu teilen?
Eine Mehrhundehaltung ist für mich aufgrund der Erfahrungen bei meinen Eltern nichts neues. Aber mögliche Probleme, die auf einen zukommen könnten, eben leider auch nicht..
Natürlich könnte es sein, dass Joker mit dem neuen Familienmitglied ein viel glücklicheres Leben führt, als wir es ihm je hätten bieten können. Aber was passiert, wenn nicht? Weggeben wollen wir unseren Neuzuwachs dann auch nicht mehr- das würde uns das Herz brechen.

Dann der Knaller. Heute Nachmittag durchforstete ich gerade meine Facebook-Neuigkeiten, als mir sofort dieser Beitrag ins Auge sprang:



Sofort haben mein Freund und ich den Hund wieder erkannt. Die Dame hatte nun einen anderen Weg gefunden, ihren Hund "loszuwerden". In den Kommentaren meldeten sich einige andere Hundebesitzer, denen dieser Rüde auf einem ihrer Spaziergänge angeboten worden war.

Angeleint neben einer viel befahrenen Straße wurde er nun schließlich von aufmerksamen Passanten mit diesem Zettel gefunden:

Damit wurde der Hund "entsorgt"
Wir sind mittlerweile in Kontakt mit dem Tierheim und hoffen, dass wir mit unseren Informationen über diese Dame weiterhelfen konnten.
Eine Mitarbeiterin des TiKo erzählte uns, dass der Rüde äußerst verängstigt sei und auf Menschen aggressiv reagiere. Die dortige Hundetrainerin ist aber der Meinung, dass sich dieses Verhalten in wenigen Tagen legen kann- der Kleine ist (verständlicherweise) natürlich noch völlig verunsichert und weiß gerade gar nicht, was hier los ist.
Da er aber nun endlich in professionellen Händen ist, wird er hoffentlich bald Vertrauen fassen.

Der Ausgang dieser Geschichte schockiert uns wirklich sehr und man fragt sich natürlich- hätte man dieser Frau den Hund doch abkaufen sollen? Immerhin wäre ihm dieser Stress dann erspart geblieben. Besonders schmerzhaft ist die Tatsache, dass der kleine Rüde vor allem von meinem Freund sehr angetan war. Und nun sitzt er völlig traumatisiert in einem Zwinger des Tierheims und reagiert auf jeglichen menschlichen Kontakt aggressiv?
Es zerreißt uns wirklich das Herz, aber trotzdem können wir unsere Entscheidung nicht rückgängig machen und würden dies wahrscheinlich auch gar nicht wollen. Wir können - trotz all der Hunde, die es absolut verdient hätten, einen schönen Platz zu bekommen- nicht das Wohl anderer Hunde über das des unseren stellen. Und Joker genießt (zumindest erst mal) sein Leben als "verwöhntes Einzelkind".

Trotzdem werden wir dem kleinen Herrn im Tierheim vielleicht mal einen Besuch abstatten und einige Sachspenden vorbei bringen.
Und unser Traum von einem Zweithund ist ja auch noch nicht ganz gestorben...
Wir sind uns aber sicher, dass sich die Mitarbeiter des TiKo ihre größte Mühe geben werden, um dem Chihuahua-Mix einen schönen Neustart in einer netten Familie zu ermöglichen!

Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass ein anderes Klagenfurter Tierheim für solche Fälle extra eine Box direkt vor seinem Eingangstor eingerichtet hat. In diese können Tierbesitzer, die ihr Haustier anonym und kostenlos abgeben möchten, dieses geben. Es wird ein Alarm ausgelöst und ohne dass das Tier stundenlang irgendwo auf Hilfe warten muss, kommt sofort ein Mitarbeiter des Tierheims.
Und auch sonst hätte es genug Alternativen gegeben- das Handeln dieser Frau ist moralisch absolut verwerflich und ich hoffe, dass sie dank unserer Mithilfe vielleicht ausfindig gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Kommentare:

  1. Ich gebe dir prinzipiell total recht. Vorallem in einem solchen Fall von unüberlegt angeschafft. Da sieht man wieder das jeder vollhonk Hunde bekommen kann. Ich finde aber gut, dass ihr nicht aus MItleid gehandelt habt, sondern auf euren Herzenszweithund wartet. Manchmal muss man doch auf den Kopf hören.
    Ich mag dir aber trotzdem kurz etwas erzählen was die letzten Wochen im entfernten Bekanntenkreis war. Denn in manchen Fällen verstehe ich die Verzweiflung die einen zum "anbinden" treiben könnte. Damit meine ich keine "er ist schwierig", "wir fahren in den Urlaub", usw anbindefälle.
    Eine entfernte Bekannte mit zwei Kindern mitten in einem echten SorgerechtsKRIEG mit dem Ex. Mit allen MItteln, lügen, verdrehen, Kinder aufhetzen. Diese hatten ne Hündin für die sie nach dem rauswurf vom Mann ein neues Heim suchte. Die Hündin biss eines Tages im affekt die Besitzerin im Beisein der Kinder. Es war nicht der Hund allein Schuld. Das bestreitet auch keiner. Aber am Ende ist da ein Vater, dem ein Beißender Hund im Haushalt der Kinder vor Gericht richtig gut kommt. Denn die Kids erzählten...der Hund biss die Mama. Also entschied sie das der Hund sofort weg müsse bevor es vors Gericht ging. Über 40 Tierheime lehnten den Hund ab. Sie wurde ihn nicht los. Sie blieb bei der Wahrheit und das war den Tierheimen nicht dringend genug. Wenn er das Kind gebissen hätte wärs was anderes. Aber weil sie wollte das der Hund auch im Heim ne Chance auf Vermittlung hat, blieb sie bei der Wahrheit. Ohne Erfolg. Der Hund wird nun rumgereicht, wer ihn mal nehmen kann für ein paar wochen nimmt ihn. Wäre er nicht gechippt und sie hätte ihn wo angebunden, wäre er ohne Umweg im Heim gelandet. UNd ich sage dir....die überlegung wäre da gewesen in ihrer Verzweiflung.

    Ich weiß allerdings das solche Fälle nicht die Regelfälle von angebundenen Hunden sind. Deshalb für mich weiterhin ein No-Go. Ich könnte meinen Hund da nicht sitzen sehn, seinem Schicksal überlassen. Nicht wissend wo er landet.
    liebe Grüße
    Becki
    www.EineRundeumdenBlog.de

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    1. Hallo Becki,
      danke, wir waren uns unserer Entscheidung manchmal wirklich nicht sicher :(

      Deiner Erzählung nach ist das wirklich ein schwieriger Fall und irgendwo kann man die Überlegung der Mutter sogar nachvollziehen. Dass es einem die Tierheime dann noch so schwer machen (müssen? aufgrund von Platzmangel?) ist dann natürlich besonders bitter.
      Aber es ist auch interessant, das ganze mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Denn wirklich viele Alternativen hat die Frau ja leider nicht.
      Danke für diesen Denkanstoß!

      Liebe Grüße,
      Natascha

      P.S.: Deinen Blognamen finde ich übrigens genial :)

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